Start in Heiligenblut auf 1247m Höhe! Ziel am Fuße des Grossglockner auf der Kaiser-Franz- Josef-Höhe auf 2370m Höhe! Und dazwischen eine epische Laufstrecke von 13,4 km und kumulierten 1563 Höhenmetern in einer hochalpinen Landschaft welche aus der Trilogie der „Herr der Ringe“ Filme entsprungen zu sein scheint!.
Das sind die nackten Parameter des „Mythos Grossglockner“! Einer der spektakulärsten und schwersten Trail-Run Veranstaltungen in Europa. Dazu gehörte das Rennen heuer auch zum offiziellen Berglauf-Weltcup, wodurch auch die sportliche Wertung einen nochmal massiv gesteigerten Zuwachs genoss.
Durch ihren feinen zweiten Platz bei den österreichischen Staatsmeisterschaften im Berglauf vor vier Wochen bekam Annika Seefeld einen freien Startplatz für diese tolle Veranstaltung welche dieses Mal, coronabedingt, auf 900 Teilnehmer limitiert war. Obwohl sie eigentlich einen anderen Trainingsplan, für kürzere Distanzen, verfolgt, wollte sie es trotzdem „einfach mal angehen“ und sich auch bei längeren Bergläufen, tapfer, hochkarätiger Konkurrenz stellen. Es sollte sich gelohnt haben. Davon erzählt man später mal seinen Enkeln!
Feed von Annika Seefeld auf Instagram
Für die Geographen unter den Lesern. Nach dem Start laufen die Teilnehmer durch den Ort bis sie den Talschluss von Heiligenblut erreichen. Dort führt die Strecke auf die Sattelalm und weiter zur Bricciuskapelle. Über die Trogalm wird die Pasterze durchlaufen, der längste Gletscher der Ostalpen. Da ist man dann schon auf etwa 2100 m Höhe und die Luft zum Atmen wird bei 180 Puls dann schon recht dünn.
Nach einem recht schnellen Start aus dem Ort hinaus und einem ersten km in 3.20 min konnte Annika sich, bei leider regnerischem und nebligem Wetter, in einen guten Rhythmus laufen und hatte auch immer andere Läufer oder Läuferinnen in ihrer Nähe. Ganz nach dem Motto: Den Mutigen gehört die Welt, oder, lieber vorne sterben als hinten nichts erben!
Nachteile in supersteilen Passagen konnte die 54 kg schwere Läuferin öfters in den rutschigen und für den Bewegungsapparat recht gefährlichen Single-Trail Downhill- Passagen, als eine der schnellsten Bergab-Läuferinnen im Feld, wieder etwas wettmachen. Aber es waren eben nur ca. 300 Hm bergab und 1536 Hm bergauf.
Am Gletschersee, bei der letzten Zwischenzeitnahme, befand sich Annika auf einem tollen 1. Platz, womit sie noch für die Weltcup Siegerehrung und etwas Preisgeld berechtigt gewesen wäre. In diesem Streckenteil sieht man schon das Zielhaus auf der Kaiser-Franz- Josefs-Höhe und man hört den Zielsprecher kreischen! Und man hofft, trotz kurzer Vorbereitung und Training für andere Streckencharaktere, sich alsbald ins Ziel werfen zu können.
Und dann steht man plötzlich ca. 1000m vor dem Ziel vor der Wand! Sind die Zahlen der ganzen Veranstaltung schon immens, und man hat bis dahin schon über 12 km in den schmerzenden und müden Beinen, so wird man in wenigen Minuten wissen, dass hier quasi der zweite Teil des Rennens beginnt! Und manch belesener, bibelfester Zeitgenosse unter den Teilnehmern mag sich an die Offenbarung des Johannes erinnern! 250 Hm gilt es auf den letzten 1000m Laufstrecke zu erklimmen!
500 Naturstufen helfen den Teilnehmern nicht wieder nach unten zurückzurutschen, wenn man vor Erschöpfung stehen bleiben muss. Es ist überhaupt kein Problem auf diesen letzten 1000m, 5-10 min auf die Konkurrenz zu verlieren sofern diese mehr Erfahrung und bessere Einteilung, oder einfach noch etwas Benzin im Tank hat! Und bei Annika war der Tank nach 12 km schlicht und einfach sowas von leer! Leer – leerer – am leersten!
Mit ihrer ganzen Routine aus dem Ausdauersport und einem impossanten Kämpferherzen „schleppte“ sich die 24-jährige Sparda-Team-Athletin, unter dem Gewummer der Musikanlage und den, sicher nicht Pulitzer-Preis verdächtigen Kommentaren des Zielsprechers, die Wand nach oben. Vier Konkurrentinnen musste sie im Finale noch ohne Gegenwehr vorbeilassen!
„Man ist im Delirium, bekommt fast noch einen Krampf, man bewegt sich irgendwie vorwärts, und dieses verdammte Scheissziel kommt keinen cm näher!“ Nach 1.40 Std lief Annika, unter all den Umständen, auf einem immer noch absolut tollen 14 Gesamtplatz bei den Frauen, durchs Ziel! Die leichte Unzufriedenheit über die verpasste Top-Ten Platzierung, wich nach etwas nüchterner Analyse sehr schnell, und ging in Freude und Stolz über das Erreichte in diesem Klassefeld, auf einer ihr vorher unbekannten Strecke über: In unter 1.30 Std „ballerte“ die absolute Weltklasse, Gold, Silber und Bronze ging nach Kenia, über die Strecke und nach 1.31 Std folgten mit Läuferinnen aus Finnland, Italien, Slowenien und Tschechien die europäischen Spitzenläuferinnen. Den 10. Platz belegt eine Läuferin aus England mit 1.36 Std und die Top-20 beendete eine Österreicherin mit 1.49 Std.
Auch bei den Männern ging der Sieg an einen Läufer aus Kenia. Eine faszinierende, grandiose Veranstaltung in epischer Umgebung! Absolut empfehlenswert für alle naturliebende engagierte Läufer und Läuferinnen. Nach 3.30 Std ist allerdings Zielschluss!
Veranstaltungsbericht auf https://www.runnersworld.de









