Beim Barbarossa-Berglauf am 3. Mai geht es auf den Hohenstaufen. In einem Versuch gingen 24 Läufer aus dem Kreis der Frage nach, ob zügiges Gehen für Hobbyläufer an steilen Passagen von Vorteil sein kann.
 
Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Beim schnellen Gehen an steilen Abschnitten verliert der Hobbyläufer im Vergleich zu seiner laufenden Konkurrenz aus dem Lager der Breitensportler nur wenig Zeit, spart aber dafür Kraft, die er auf den flachen Strecken wieder einsetzen kann. Der Leistungssportler hingegen muss, will er einen Treppchenplatz erreichen, alles geben und kann sich die schonende Gangart nicht erlauben.
Herrliches Frühlingswetter empfing die Teilnehmer am Mittwochabend zum dem Test am Hohenstaufen, zu dem Rudi Bauer, langjähriger Göppinger Lauftreffleiter und über 1100-facher Bezwinger des Göppinger Hausberges, eingeladen hatte. 24 Läuferinnen und Läufer aus den Lauftreffs Göppingen, Rechberghausen und Maitis sowie den beiden Vereinen AST Süßen und Sparda-Team Rechberghausen folgten seinem Aufruf und fanden sich um 17.30 Uhr im Spielburgweg ein. Es galt, sich auf dem Weg über einen knappen Kilometer bis zum Gipfel des Kaiserbergs zu vergleichen. Mit dabei: Timo Czerwonka und Evelyn Krix von der Filstalwelle, die sich beim Berglauf mit ihrer Staffelmannschaft der Halbmarathonstrecke von 21,4 Kilometern stellen wollen.
 
Drei Gruppen zum Vergleich
 
Beim Lauftest am Mittwoch machten sich drei Gruppen auf den Weg: Eine lief, eine ging und eine kombinierte Gehen und Laufen. Die Strecke führte über einen steilen Wiesenabschnitt hoch zur Burgruine des Hohenstaufen. Mit schnellen Schritten voraus eilte der Süßener Markus Brucks im Trikot des Sparda-Teams Rechberghausen, dreifacher baden-württembergischer Berglaufmeister und Gewinner des 1. Barbarossa-Berglaufes im Jahre 2011. Obwohl er seine Wettkampfschuhe schon vor rund drei Jahren an den Nagel gehängt hat, schien es, als ob er nichts verlernt hätte. Mit sichtbar druckvollem Schritt erreichte der 43-jährige Familienvater bereits nach fünf Minuten den Gipfel. „Wenn man gewinnen will, muss man laufen, gehen kommt nicht in Frage“, sagt Markus Brucks aufgrund seiner langjährigen Erfahrung. „Beim Bergablaufen muss man sich dann eher schonen“, lautet seine Überzeugung.     
    
Zwei Minuten nach Brucks erreichten weitere Läufer das Ende der Teststrecke, unter ihnen vier Angehörige des Maitiser Lauftreffs. Sie hatten den Weg in zügigem Tempo bewältigt und auch den unangenehm steilen Wiesenpfad im Laufschritt hinter sich gebracht. Jasmin Schmid hatte kein Problem dabei und strahlte: „Ich will Spaß beim Laufen haben und richte deshalb mein Tempo immer nach meinem Gefühl ein“, sagt sie und freut sich auf den Berglauf-Start in zwei Wochen. Auch Lauftreff-Kamerad Franjo Peric hat sich nicht verausgabt:  „Ich bin nicht am Anschlag gelaufen“, erklärt er mit Blick auf seinen Pulsmesser am Arm, „Puls 175 bis 180, das ist für mich in Ordnung“, meint der Maitiser. Rüdiger Schulth wird am 3. Mai eher zu den Kombinierern wechseln und wie sein Lauftreffleiter Manfred Hieber „Körner am Berg sparen“. Der Meinung schloss sich nach dem Test Oliver Nolz an, der ebenfalls unter dem Startband an der Werfthalle stehen wird und seine Kraft einteilen und sie nicht am Berg vergeuden will.   
    
Knapp acht Minuten – eine weitere Minute mehr – benötigte die Gruppe der Kombinierer, die zwar liefen, aber an den steilen Passagen je nach Gefühl auf schnelles Gehen umschalteten. Zu ihnen gehörte Stefanie Beck vom Lauftreff Rechberghausen, die sich zu den Hobbyläuferinnen zählt. Auch Renate Bölstler vom AST Süßen wird an den steilen Passagen Kraft sparen. Sie hat bereits dreifache Barbarossa-Lauf-Erfahrung und weiß, wie sie die Einteilung vornehmen muss.: „Ich laufe dann lieber an den ebenen Abschnitten schnell“, meint sie.
Keine zehn Minuten bis ins Ziel benötigte die Gruppe der schnellen Geher. Sie hatten zu den Kombinierern nur knappe zwei Minuten Rückstand. Ihnen hatte sich Günter Riesner vom Göppinger Lauftreff angeschlossen. Der 80-jährige wird am 3. Mai auf der Halbmarathonstrecke einmal mehr als Staffelläufer sein Bestes geben.
 
Berglauf-Legende Charly Doll (61), zweifacher deutscher Berglaufmeister, zweimaliger Gewinner des Swiss Alpine Marathons in Davos und des Comrades-Marathons in Südafrika unterstreicht mit seiner Aussage zum Tempo am Berg die Erfahrungen der Hohenstaufen-Testläufer: „Niemals bei einem Berglauf das Tempo vom flachen Gelände mit in den Anstieg nehmen. Das Tempo sollte sofort der Steigung angepasst werden." Wenn sich dann die Muskulatur nach ca. 8-10 Minuten an die neue Bergbelastung gewöhnt habe, könne man - wenn noch möglich - langsam das Tempo am Berg steigern. Aber Doll mahnt zur Vorsicht: "Immer nur so steigern, dass man es an einer Flachpassage wieder hoch halten kann." Sein Credo lautet: „Am Berg erholen und wenn es flach wird, Gas gegeben“.